{"id":1660,"date":"2023-03-13T12:22:24","date_gmt":"2023-03-13T12:22:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dreamsrewired.com\/?page_id=1660"},"modified":"2025-03-05T18:28:54","modified_gmt":"2025-03-05T18:28:54","slug":"synopsis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dreamsrewired.com\/de\/synopsis\/","title":{"rendered":"SYNOPSIS"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><b>Der Film sp\u00fcrt den Sehns\u00fcchten und \u00c4ngsten der heutigen vernetzten Welt nach und dreht daf\u00fcr die Zeit \u00fcber 100 Jahre zur\u00fcck, als Telefon, Film und Fernsehen ihren Anfang nahmen. Wie heute Social Media, entfachten diese fr\u00fchen Medien utopische Vorstellungen von grenzenloser Kommunikation, Demokratisierung des Wissens oder gar vom Weltfrieden durch gegenseitiges besseres Verst\u00e4ndnis. Doch auch damals l\u00f6ste die mediale \u00dcberwindung von Zeit und Distanz gleichzeitig Besorgnis um Privatsph\u00e4re, Sicherheit und Moral aus.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><b>Mit Hilfe von leidenschaftlich recherchiertem, vielfach noch nie gezeigtem Archivmaterial aus ca. 200 Filmen liefert uns die Kompilation ein schillerndes Mosaik zeitloser Hoffnungen und umschiffter Gef\u00e4hrdungen und r\u00fcckt ganz nebenbei auch die Rolle der Frauen in der Geschichte der modernen Kommunikation ins rechte Licht. Diese Geschichte der modernen Massenkommunikation hilft, unsere heutige, vernetzte Welt zu verstehen<\/b>.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><b>.<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><i>\u00a0<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">&#8222;Jedes Zeitalter denkt von sich, es w\u00e4re das Fortschrittlichste &#8230;&#8220;<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">&#8230;\u00a0aber nur das Unsere ist wirklich einzigartig, da es erstmals jeden mit jedem verbindet, alles mit allem verrechnet und sich dabei stetig beschleunigt! Wir sind nicht nur modern, sondern post-modern, post-industriell und bald vielleicht schon post-human! Unser ma\u00dfloser Hunger nach Information und Daten scheint weltgeschichtlich ohne Vorbild und Vergleich &#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Der Essayfilm MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME relativiert und erweitert diesen g\u00e4ngigen Blickpunkt. Anhand von zahlreichen Filmausschnitten aus der Fr\u00fchzeit der Medien werden die vermeintlich neuen Begierden und \u00c4ngste zur\u00fcck bis zur Geburtsstunde von Telefon, Fernsehen und Kino verfolgt. Diese Zeitreise nimmt ihren Anfang beim ersten Medien-Boom des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts und macht St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck sichtbar, wie die sozialen Verwerfungen unserer heutigen vernetzten Welt bereits in einem Zeitalter vorgezeichnet wurden, in dem Telegraph und Lochkarte im selben Ausma\u00df f\u00fcr revolution\u00e4r gehalten wurden, in dem wir Social Media und Big Data heute sehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">An den neuen technischen M\u00f6glichkeiten entz\u00fcndete sich umgehend auch die Utopie einer besseren Welt. Basierend auf einer grenzenlosen und v\u00f6lkerverbindender Kommunikationstechnologie w\u00fcrden demnach &#8211; wenn sie erst jedem zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde &#8211; einerseits Wohlstand und Friede gef\u00f6rdert, anderseits Krieg und gesellschaftliche Ausgrenzung beseitigt werden. Durch das mediale Zusammenr\u00fccken, das B\u00fcndeln der Anstrengungen und das Vorausberechnen der Zukunft m\u00fcsse fast zwangsl\u00e4ufig ein gerechterer Ort f\u00fcr alle entstehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Aber was das Medienzeitalter zun\u00e4chst versprochen hat und was schlie\u00dflich auch daraus wurde, k\u00f6nnte unterschiedlicher nicht sein. Die urspr\u00fcngliche Offenheit wich bald Regeln, Vorschriften und Gesetzen. Aus dem chaotischen Durcheinander privat genutzter Funkwellen und Frequenzen wurde zum Beispiel schnell ein staatliches Kommunikationsmonopol, dem ein zentral gesteuerter Rundfunk zur Seite stand. Schleichend trugen die neuen Medien so zum Verlust der Privatsph\u00e4re und zur allgegenw\u00e4rtigen \u00dcberwachung bei und machten damit \u00c4ngste wahr, welche die<i>\u00a0<\/i>hoffnungsvollen Utopien von jeher begleitet hatten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME ist eine atemberaubende Montage filmischer Fundst\u00fccke, die Manu Luksch,\u00a0Martin Reinhart und Thomas Tode in jahrelanger Arbeit in den Archiven der Welt gesichtet und zusammengetragen haben. Aus \u00fcber 200 Spielfilmen, Wochenschauen, wissenschaftlichen und \u00e4sthetischen Experimenten entstand so eine dicht gewebte und bildgewaltige Erz\u00e4hlung voll mit hellseherischen Momenten, irrwitzigen Details und \u00fcberraschenden Wendungen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Ausschnitte, von denen die meisten erstmals seit ihrem Entstehen wieder zu sehen sind, werden durch eine Stimme zusammen gehalten (Sprecherin englische Fassung: Tilda Swinton \/ Sprecherin deutsche Fassung: D\u00f6rte\u00a0Lyssewski), die eher \u00fcber unser aktuelles Dilemma, als die Vergangenheit zu sprechen scheint, aus dem das historische Material stammt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Durch den Br\u00fcckenschlag, den MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME mit diesem Trick zwischen der heutigen medialen Welt und ihren idealistischen Urspr\u00fcngen am Beginn des letzten Jahrhunderts macht, wird das Konzept einer medialen \u00d6ffnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert als positive Lehre aus der Geschichte vorgeschlagen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">REGIE STATEMENT<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dar\u00fcber nachzudenken, wo wir stehen und wohin die Reise geht, f\u00e4llt schwer in Anbetracht der rasend schnellen Entwicklung unserer heutigen Zeit. Trotzdem braucht es diese Reflexion, denn sonst sind wir dazu verdammt, die Fehler zu wiederholen, die zu entdecken und verstehen wir noch gar keine M\u00f6glichkeit hatten.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME ist ein dichter und poetischer Filmessay, der unserer medialen Vergangenheit, deren Versprechungen und den damit verbundenen Tr\u00e4umen nachsp\u00fcrt. Dadurch, dass er die dr\u00e4ngenden Fragen der heutigen vernetzten Welt in eine historische Perspektive r\u00fcckt und nach den Wurzeln aktueller technologischer Utopien sucht, ist er aber auch ein zeitgem\u00e4\u00dfer und politischer Film. Die Bedeutung von Sicherheit und Privatsph\u00e4re haben vor dem Hintergrund der neuen technischen M\u00f6glichkeiten sicherlich an Brisanz gewonnen, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass viele der damit verbundenen Fragestellungen bereits mit dem Aufkommen der ersten Kommunikationsmedien virulent geworden sind.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Einige der ProtagonistInnen dieser fast vergessenen Geschichte kommen uns \u00fcberraschend modern, andere fern und fremd vor &#8211; speziell jene, denen wir zu den R\u00e4ndern des multimedialen Utopias folgen. Allzu gerne verdr\u00e4ngen wir die unr\u00fchmliche Verquickung zwischen Kolonialismus und medialer Expansion, haben keinen Begriff mehr vom m\u00fchsamen Errichten, Verteidigen und Betreiben der weltweiten Kommunikationsnetze. Diese kolossale Leistung wurde eben nicht nur von genialen Ingenieuren, sondern vor allem durch schlecht bezahlte Arbeiter und tausendfachen sinnlos geopferte Soldaten erm\u00f6glicht. Eine besondere Rolle nehmen in diesem Zusammenhang auch die Frauen ein, die als Sekret\u00e4rinnen und Telefonistinnen ab 1900 als gering gesch\u00e4tzte Arbeitskr\u00e4fte ausgenutzt wurden. Auch den vergessenen Idealisten und Pionieren r\u00e4umt MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME ausreichend Platz ein und r\u00fcckt sie an ihre angemessene Stelle &#8211; darunter die erste Regisseurin der Filmgeschichte, Alice Guy, und der vermutlich ersten weiblichen Discjockey.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">\u00dcberraschend ist auch die prominente Rolle, die MOBILISIERUNG DER TR\u00c4UME dem Fernsehen als Ideengeber und fantastischem Fluchtpunkt der fr\u00fchen Mediengeschichte einr\u00e4umt. Als technische L\u00f6sung und Idee ist es \u00e4lter als das Kino und kaum war es erdacht, befeuerte<i>\u00a0<\/i>es auch schon die wildesten technologischen Fantasien. Bereits um die Jahrhundertwende stellte man sich vor, wie es w\u00e4re, wenn alle \u00fcber sprechende Bilder live verbunden w\u00e4ren. In den Labors und Bastelstuben entstanden damals bereits die ersten Prototypen. Obwohl das Fernsehen erst in den 20er Jahren technisch funktionierte, wurde es im Verbund mit dem Kino und dem Telefon immer als &#8222;Echtzeitmedium&#8220; gedacht.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><a href=\"http:\/\/www.ManuLuksch.com\">Manu Luksch<\/a>, Martin Reinhart, Thomas Tode 2015<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Film sp\u00fcrt den Sehns\u00fcchten und \u00c4ngsten der heutigen vernetzten Welt nach und dreht daf\u00fcr die Zeit \u00fcber 100 Jahre zur\u00fcck, als Telefon, Film und Fernsehen ihren Anfang nahmen. Wie heute Social Media, entfachten diese fr\u00fchen Medien utopische Vorstellungen von grenzenloser Kommunikation, Demokratisierung des Wissens oder gar vom Weltfrieden durch gegenseitiges besseres Verst\u00e4ndnis. 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